Verschiedene Collagen der Infrastrukturen der Universitäten Bremen und Oldenburg: Fallturm, Hörforschungszentrum, Bohrkernlager und Forschungsschiff beim Messpfahl in Spikeroog

Forschungs­infrastruktur

Gemeinsam bündeln die Universitäten Bremen und Oldenburg ihre Stärken und betreiben Forschungsinfrastrukturen auf höchstem Niveau. Die langjährige Zusammenarbeit ermöglicht Forschenden national wie international einen einfachen Zugang zu modernster Infrastruktur – heute und in Zukunft.

Seit 1990 bietet das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) die Möglichkeit, im 146 Meter hohen Fallturm Kurzzeitexperimente unter Schwerelosigkeit durchzuführen. Die Versuchskapsel wird entweder in der etwa 120 Meter hohen luftleeren Fallröhre hochgezogen und fallen gelassen. Oder sie wird mit dem weltweit einzigartigen Katapultsystem bis unter die Spitze der Fallröhre hochgeschossen und wieder aufgefangen. Bis zu drei Mal am Tag werden Experimente unter einer Schwerelosigkeit von nur einem Millionstel der Erdanziehungskraft durchgeführt.

Auf einer Gesamtfläche von 2.000 m² beherbergt das NeSSy-Forschungsgebäude (Neuro-Sensory and Safety-Critical Systems) hochmoderne Labore, die auf Akustik, Neurophysiologie und virtuelle Realität spezialisiert sind, sowie fortschrittliche Großgeräte wie Magnetenzephalographie und funktionelle Magnetresonanztomographie. Unter dem Dach von NeSSy sind zahlreiche interdisziplinäre Initiativen vereint. Das Gebäude bietet Forschenden den nötigen Raum sowie die entsprechende Ausstattung, um Studien in den Bereichen Hörforschung, Medizintechnik und Mensch-Maschine-Interaktion durchzuführen.

Am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften befindet sich eines von derzeit drei internationalen Bohrkernlagern des International Ocean Discovery Program (IODP). Im Bremer Bohrkernlager sind aktuell über 193 Kilometer Bohrkerne aus mehreren Erdzeitaltern und von 106 Expeditionen archiviert – darunter Material aus dem Atlantik, dem Arktischen Ozean, dem Mittelmeer, dem Schwarzen Meer und der Ostsee. Jährlich arbeiten rund 200 Forschende im Bremer Lager. Pro Jahr werden mehr als 50.000 Proben aus den Bohrkernen entnommen.

Der Tauchroboter MARUM-QUEST 5000 wird weltweit auf Forschungs­schiffen für wissenschaftliche Probenahmen und Datenerhebungen in der Tiefsee eingesetzt. Seit 2025 ist er als Nachfolger des MARUM-QUEST 4000 im Einsatz und bietet eine höhere Nutzlast, verbesserte Datenübertragung, leistungsfähigere Hydraulik sowie eine Tauchtiefe von bis zu 5.000 Metern. Sein Vorgänger absolvierte seit 2003 490 Tauchgänge auf über 42 Expeditionen.

Inmitten des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer, dem größten Wattgebiet der Welt, liegt die Insel Spiekeroog, ein idealer Standort für das Küstenobservatorium Spiekeroog (SCO), das sich mit den Wechselwirkungen zwischen Land und Meer befasst. Das Herzstück des Observatoriums bildet die Messstation Spiekeroog (TSS), die im Seegatt zwischen Spiekeroog und Langeoog liegt. Die Station liefert kontinuierlich ozeanografische, meteorologische und biogeochemische Langzeitdaten. Sie unterstützt institutionenübergreifende Forschung und Lehre und ist Teil des Long-Term Ecosystem Research Network (LTER-D). Zusätzlich zur permanenten Station befinden sich an mehreren Standorten auf der Insel und in der Umgebung permanente oder temporäre Sensoren für die Umweltüberwachung und kampagnenbasierte Feldforschung. Drei verschiedene Forschungsboote stehen für die technische Unterstützung und jede Art von Küstenforschung zur Verfügung.

Das MAPEX Gerätezentrum ist die zentrale Equipment-Infrastruktur für die Materialwissenschaften an der Universität Bremen. Interne und externe Forschende aus verschiedenen Disziplinen können diverse leistungsstarke wissenschaftlichen Geräte nutzen. Diese können die Struktur und den chemischen Zustand von Materialien umfassend charakterisieren – von atomar bis makroskopisch. Das Gerätezentrum bündelt Expertise und technische Geräte beispielsweise aus der 3D-Materialanalyse, Elektronenmikroskopie, Oberflächenanalytik und Spektroskopie.

Realistische turbulente Windfelder und Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde können im Turbulenz-Windkanal erzeugt werden. Die einzigartige Anlage ist eines der Herzstücke der Windenergieforschung in Oldenburg und befindet sich im 2.300 Quadratmeter großen Windlabor auf dem Campus Wechloy. Das aktive Gitter im Tunnel erlaubt es den Forschenden, mehr als 1.000 Klappen zu steuern und auszurichten, um gezielt Turbulenzen und Windböen zu erzeugen.

Im nichtmagnetischen Haus können Forschende Magnetfelder unabhängig von ihren zeitlichen oder statischen Eigenschaften mit großer Präzision steuern. Das Gebäude ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Forschende Verhaltensexperimente mit Vögeln durchführen können, um deren Navigationsfähigkeiten besser zu verstehen. Das Haus besteht aus Holz, enthält keine ferromagnetischen Materialien und beherbergt drei Räume. Jeder Raum enthält eine oder zwei elektromagnetisch abgeschirmte Kammern. Die Mitarbeitenden der Werkstätten der Betriebseinheit für technisch-wissenschaftliche Infrastruktur fertigen die verwendeten Forschungsgeräte speziell an.

Das Robotiklabor ähnelt einer Wohnung. Beispielsweise gibt es eine Küche und eine Essecke, die der Forschung mit robotischen Systemen in einer haushaltsähnlichen Umgebung dienen. Mithilfe des Labors können viele Facetten von Mensch- und Roboterbewegungsabläufen und Problemlösungsstrategien rund um den Haushalt beleuchtet werden. Das Robotiklabor sowie das Virtual Research und Training Building zählen zu den führenden KI-basierten Robotikeinrichtungen in Europa.

Arbeitsgruppen unterschiedlichster Disziplinen, von den Sozialwissenschaften bis zur theoretischen Physik, sowie weitere externe Beteiligte nutzen die hochmodernen Hochleistungsrechner (HPC) in Oldenburg. Die HPC-Landschaft wird kontinuierlich aktualisiert und umfasst derzeit den Mehrzweck-Rechencluster ROSA sowie die Spezialsysteme STORM und MOUSE für Anwendungen im Bereich der numerischen Strömungsmechanik. Die Cluster verfügen über insgesamt rund 20.600 Rechenkerne und 145 Terabyte Hauptspeicher. Die Gesamt-Spitzenleistung der HPC-Systeme beträgt etwa 1,1 PFlops (CPU) und 2,0 PFlops (GPU). Das Team des Wissenschaftlichen Rechnens unterstützt und berät Forschende und bietet ein breites Spektrum an Aus- sowie Weiterbildungsmöglichkeiten an.