Eine Broschüre mit dem Schriftzug "Northwest Alliance - Connecting for Tomorrow" liegt auf einem Tisch.
© Leona Hofmann / Universität Bremen
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Gemeinsam forschen – in Bremen und Oldenburg

Mit dem „Northwest Alliance Research Fund” möchte die Northwest Alliance – das strategische Bündnis der Universitäten Oldenburg und Bremen – die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Hochschulen intensivieren. Die neuen Förderlinien tragen bereits erste Früchte.

Klimaforschung, Nachhaltigkeit, KI, Energiewende, Gesundheit – das sind hochaktuelle Forschungsfelder, die über das neue Kooperationsprogramm „Northwest Alliance Research Fund“ (NoW) in Bremen und Oldenburg gestärkt werden. Mit den beiden Förderlinien „Northwest Impuls“ und „Northwest Advanced“ bringen die Universitätsstandorte ihre gemeinsame Forschung in diesen und weiteren Feldern voran. Erste Anträge sind bereits bewilligt, weitere können noch bis Ende Juni gestellt werden.

„Mit den neuen Förderlinien verfolgen wir das Ziel, die akademischen Netzwerke zwischen Bremen und Oldenburg weiter zu intensivieren und auszubauen“, sagt Prof. Dr. Ralph Bruder, Präsident der Universität Oldenburg. Prof. Dr. Jutta Günther, Rektorin der Universität Bremen, betont: „Neben der Unterstützung unserer bestehenden Forschungsschwerpunkte möchten wir auch neue Potenzialbereiche zur Entfaltung bringen und unsere gemeinsamen Vorhaben international noch sichtbarer machen.“

Das Programm „Northwest Advanced“ zielt darauf ab, die Verbundforschung zwischen den beiden Universitäten zu unterstützen. Teams von Professor*innen beider Universitäten können Sachmittel von bis zu 20.000 Euro beantragen, etwa für Konferenzen, Pilotstudien oder Unterstützungsleistungen für Drittmittelanträge. Es können bis zu zehn Teams gefördert werden. Mit „Northwest Impuls“ sollen neue Kooperationen zwischen Forschenden beider Universitäten initiiert werden. Gefördert werden bis zu 40 Tandems, die bislang noch nicht gemeinsam publiziert oder Drittmittel eingeworben haben. Antragsberechtigt sind Professor*innen und unbefristet beschäftigte Wissenschaftler*innen beider Standorte. Sie können Sachmittel bis zu 5.000 Euro für Workshops, Machbarkeitsstudien oder die Vorbereitung von Antragsskizzen beantragen.

Die beiden Förderlinien tragen bereits erste Früchte und haben Forschende beider Standorte näher zusammengebracht. Eine Projektauswahl:

Quantenmaterialien optimieren

Quantenmaterialien, die sich zum Beispiel in Smartphones, Solarzellen und Lasern befinden, verhalten sich nicht nach den Gesetzen der klassischen Physik. Ihre Eigenschaften sind somit extrem schwierig zu verstehen, gleichzeitig müssen sie präzise angepasst und optimiert werden, um in Zukunftstechnologien Anwendung zu finden. Dazu forschen die Physiker Prof. Dr. Michael Sentef (Universität Bremen) und Prof. Dr. Christian Schneider (Universität Oldenburg). Künftig wollen sie auch gemeinsam herausfinden, wie sich die elektronischen, magnetischen und strukturellen Eigenschaften von Quantensystemen durch Licht beeinflussen lassen. Ihr Plan: zusammen Drittmittel einwerben und langfristig über ein großes Verbundprojekt ortsübergreifend zusammenarbeiten. In einem Workshop wollen die beiden Wissenschaftler die strategischen Weichen dafür stellen.

Was Wähler*innen über die Erbschaftssteuer denken

Wenn Vermögen vererbt wird, geht es oft um mehr als Geld, es geht um Gerechtigkeit. Die Ausgestaltung der Erbschaftsteuer gehört daher zu den umstrittensten Themen der deutschen Steuerpolitik. Während einige sie als wichtiges Instrument gegen Vermögensungleichheit sehen, befürchten andere Belastungen für Familien und Betriebe. Gleichzeitig ist vielen Bürger*innen wenig über die konkreten Regelungen bekannt. Ein Forschungsteam der Universitäten Bremen und Oldenburg untersucht daher, wie Informationen und Gerechtigkeitsvorstellungen die Einstellungen zur Ausgestaltung der Erbschaftsteuer prägen. Prof. Dr. Sarah Berens und Prof. Dr. Markus Tepe (Universität Bremen) sowie Prof. Dr. Jan Sauermann (Universität Oldenburg) befragen dazu Teilnehmende des „Niedersachsenpanels“. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie eine sachliche und konstruktive öffentliche Debatte über die Zukunft der Erbschaftsteuer möglich wird.

Zukunftsentwürfe zur Migration

Gesellschaften weltweit erleben momentan tiefgreifende Transformationsprozesse: durch Phänomene wie Klimawandel, digitale Umbrüche, Migration und die Zunahme autoritärer Tendenzen. Welche Rolle spielen in solchen Zusammenhängen Bildung und der Umgang mit Medien? Die Erziehungswissenschaftlerinnen Prof. Dr. Ayça Polat (Universität Oldenburg) und Prof. Dr. Yasemin Karakaşoğlu (Universität Bremen) planen dazu ein internationales Symposium mit rund 40 Teilnehmenden – unter anderem aus den USA, Namibia, den Niederlanden und der Türkei. Ein Schwerpunkt soll auf der Frage liegen, wie Wissen im Kontext von Migration vermittelt wird und welche Rolle dabei der pädagogischen Professionalisierung zukommt.

Widerstandsformen marginalisierter Communities

Poetische und audiovisuelle Ausdrucksformen marginalisierter Gruppen in Deutschland untersuchen die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Alisha M.B. Heinemann (Universität Bremen) und die Kunstpädagogin Prof. Dr. Michaela Kaiser (Universität Oldenburg). Sie beschäftigen sich insbesondere damit, wie betroffene Communities Erfahrungen mit Rassismus und Ableismus poetisch und ästhetisch verarbeiten – beispielsweise in Gedichten, Spoken Word Performances, Audio- und Videoinstallationen in Social Media. Ziel ist es, das Potenzial medialer Bildungsräume als Orte des Widerstands, der Hoffnung und der Imagination alternativer Zukünfte sichtbar zu machen. Im Rahmen einer gemeinsamen Studie soll ein Text- und Bildarchiv zum Thema aufgebaut und veröffentlicht werden.

Angebote zu statistischen Methoden

Das Zentrum für Statistik in Oldenburg und Bremen (ZeSOB) unter Leitung von Prof. Dr. Thorsten Dickhaus (Universität Bremen) will seine seit 2015 bestehenden Angebote weiter ausbauen. Beteiligt sind Prof. Dr. Werner Brannath (Universität Bremen), Prof. Dr. Marcus C. Christiansen (Universität Oldenburg) und Prof. Dr. Peter Ruckdeschel (Universität Oldenburg). In dem gemeinsamen Vorhaben entwickeln die Forschenden aus den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften neue statistische Methoden, um Daten aus den Bereichen Finanzen, Versicherung, Klima und Ökologie, Gesundheit und Medizin analysieren zu können. Mit den Mitteln aus der Förderlinie plant das Netzwerk eine Veranstaltungsreihe, in deren Rahmen internationale Forschende mit Vorträgen Impulse zur Forschung im Bereich statistischer Methoden setzen.

Warum manche Kinder schwerer zur Ruhe finden – Signale frühzeitig erkennen

Schwierigkeiten beim Schlafen, übermäßiges Schreien oder ausgeprägte Ängstlichkeit – Auffälligkeiten wie diese können bei Kindern auf Schwierigkeiten in der Selbstregulation hinweisen. Solche Schwierigkeiten können eine Spirale in Gang setzen: Der Stress des Kindes überträgt sich auf die Eltern, was wiederum das Zur-Ruhe-Kommen für das Kind erschwert. Die Oldenburger Kinder- und Jugendpsychiaterin Prof. Dr. Yulia Golub, die Bremer Entwicklungspsychologin Prof. Dr. Louisa Kulke und die Oldenburger Neurowissenschaftlerin und Methodikerin Prof. Dr. Andrea Hildebrandt wollen messbare Hinweise finden, die auf ein Ungleichgewicht in der Mutter-Kind-Beziehung hinweisen. Deshalb untersuchen sie bei Mutter und Kind zum einen mögliche Synchronitäten in der Hirnfunktion mit Gehirnstrommessungen, zum anderen die Konzentration des Stresshormons Cortisol anhand von Speichelproben. Ihr Ziel: konkrete Messwerte zu definieren, anhand derer sich Schwierigkeiten in der Selbstregulation früh nachweisen und therapieren lassen.

Einblicke ins alltägliche Hören

Der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Martin Bleichner (Universität Oldenburg) und die Informatikerin Prof. Dr. Tanja Schultz (Universität Bremen) wollen die Hörforschung außerhalb des Labors erleichtern. Ihr Ziel: einen voll funktionsfähigen und für andere nutzbaren Prototypen zur Messung von Gehirnströmen und Umgebungsgeräuschen im Alltag zu entwickeln. Ausgangspunkt ist das sogenannte nEEGlace: eine Apparatur zur mobilen Ohr-Elektroenzephalographie, die Testpersonen im Alltag im Nacken tragen. Sie ist mit Sensoren verbunden, die Gehirnströme erfassen. Zusätzlich registriert bislang ein Smartphone die Geräusche in der Umgebung. In dieser Kombination lässt sich untersuchen, wie Geräusche wahrgenommen und neuronal verarbeitet werden.

Die Förderung ermöglicht die technische Weiterentwicklung des nEEGlace: Bleichner und Schultz wollen es zu einer offenen Forschungsplattform im Sinne von Open-Source-Hardware (OSH) ausbauen. Diese soll es Forschenden ermöglichen, mit einem einzigen Gerät die Wirkung von Alltagsgeräuschen auf das Gehirn zu untersuchen. Anders als die bisherigen Vorläufermodelle soll das neue nEEGlaceOSH künftig ohne Smartphone-Unterstützung auskommen und sich noch besser in alltägliche Situationen integrieren lassen.

Schwämme im Ozean

Im Meer befindet sich eine unsichtbare Mischung von wasserlöslichen kohlenstoffhaltigen Molekülen: das gelöste organische Material. Dieses speichert riesige Mengen Kohlenstoff über Jahrtausende, weit mehr als alle Wälder der Erde zusammen – und hat damit einen großen Einfluss auf die Klimaentwicklung. Die mikrobiellen Prozesse, die unter Wasser ablaufen, bestimmen die Zusammensetzung dieser komplexen chemischen Mixtur im Ozean. Geochemiker Prof. Dr. Torsten Dittmar (Universität Oldenburg) und Geowissenschaftlerin Dr. Florence Schubotz (Universität Bremen) untersuchen in diesem Zusammenhang, welche Rolle Schwämme, die in Korallenriffen leben, in solchen Prozessen spielen: ob und wie sie gelöstes organisches Material produzieren und verarbeiten und wie sich die Erwärmung der Meere durch den Klimawandel auf sie auswirkt. Die Förderung ermöglicht es den Forschenden unter anderem, Proben relevanter Schwämme aus Korallenriffen für Laborexperimente zu entnehmen. Momentan ist unklar, wie sich der Kohlenstoffspeicher unter Wasser in Zukunft verhalten wird. Schwämme könnten Dittmar und Schubotz zufolge Hinweise zu möglichen Entwicklungen liefern, da sie älteres gelöstes organisches Material schnell in CO2 umsetzen können.

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