Die Universität erhält ein weltweit einmaliges Forschungsgebäude: Im Forschungsbau „NaviGate“ soll das Navigationsverhalten von Tieren unter naturgetreuen Bedingungen erforscht werden. In seiner aktuellen Empfehlung befürwortet der Wissenschaftsrat das Projekt.
In seiner aktuellen Empfehlung zur Förderung von Forschungsbauten an Hochschulen hat der Wissenschaftsrat (WR) den Neubau des Forschungsbaus „NaviGate“ an der Universität Oldenburg befürwortet. Der Antrag entstand unter Federführung des Oldenburger Biologen und Tiernavigations-Experten Prof. Dr. Henrik Mouritsen, Sprecher des Exzellenzclusters „NaviSense“ und des Sonderforschungsbereichs (SFB) „Magnetrezeption und Navigation in Vertebraten“. Der Wissenschaftsrat stufte das Vorhaben als „herausragend“ ein.
„Mit dem Forschungsbau NaviGate heben wir die exzellente Forschung der Universität Oldenburg im Bereich Tiernavigation auf eine neue Stufe. Das geplante Gebäude bietet weltweit einzigartige Bedingungen, um sich aktuellen und zukünftigen Fragestellungen aus Tiernavigationsforschung, Sinnesbiologie und Neurosensorik zu widmen“, erklärte Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder. Auch für den Naturschutz werde die Arbeit in dem Forschungsbau wichtige Erkenntnisse hervorbringen. Dabei gehe es beispielsweise um anthropogene und umweltbedingte Stressfaktoren, die die Navigation und Ökologie wandernder Tiere beeinflussen.
Eine der eindrucksvollsten Verhaltensleistungen von Tieren wie Zugvögeln und Insekten ist es, über enorme Entfernungen hinweg ihr Ziel mit höchster Genauigkeit anzusteuern. Viele Aspekte dieser erstaunlichen Wanderungen sind bislang kaum verstanden. „In den vergangenen Jahren konnten wir zeigen, dass Tiere gleichzeitig verschiedene Sinnesreize nutzen, um präzise zu navigieren. Wie diese Hinweise kombiniert werden, blieb mangels geeigneter Forschungsinfrastruktur bislang ungeklärt. ‚NaviGate‘ wird Forschenden weltweit erstmals die Möglichkeit bieten, navigierenden Tieren eine genau kontrollierbare virtuelle Realität in allen sechs Sinnesdimensionen zu präsentieren“, betont Mouritsen.
Navigation unter realistischen Bedingungen
Der vom Wissenschaftsrat anerkannte Förderhöchstbetrag für Forschungsbau und Großgeräte liegt bei rund 99 Millionen Euro. Herzstück des Neubaus mit rund 2.800 Quadratmetern Nutzfläche ist eine Kuppel mit einem Durchmesser von 18 Metern, in der das Navigationsverhalten von beispielsweise Insekten, Vögeln, Fischen und Mikroorganismen unter naturgetreuen Bedingungen untersucht werden kann. Im Inneren dieses „Nichtmagnetischen Multisensorischen Virtual Reality-Dome“ (NMVR-Dome) wird es möglich sein, verschiedene Magnetfelder zu generieren oder Störungen wie Elektrosmog und Lichtverschmutzung zu simulieren. Der Raum wird mit laserbasierten Projektoren ausgestattet, wie sie in Planetarien verwendet werden. Diese Geräte können nicht nur den Sternenhimmel, sondern auch spezielle visuelle Stimuli oder realistische Szenen an die Kuppel projizieren. Die gesamte Kuppel und weitere Teile des Gebäudes bestehen aus nichtmagnetischen Materialien und werden von Elektrosmog abgeschirmt. „Auf diese Art können die Forschenden die magnetischen Reize exakt kontrollieren. Mittels weiterer Vorrichtungen lässt sich zudem untersuchen, wie sich Geräusche oder Gerüche auf das Navigationsverhalten auswirken“, erklärte Dr. Vivian Meyer, wissenschaftliche Projektkoordinatorin für NaviGate.
Das moderne Gebäudekonzept sieht vor, dass verschiedene Forschungsgruppen die Labore gemeinsam nutzen können. NaviGate soll international führende Fachleute aus den Disziplinen Biologie, Physik, Chemie, Informatik und Sozialwissenschaften, die teils bereits im Exzellenzcluster „NaviSense“, im Oldenburger Sonderforschungsbereich „Magnetrezeption und Navigation in Vertebraten“ und im Forschungszentrum Neurosensorik zusammenarbeiten, als Team noch enger zusammenbringen.
„Das Gebäude wird der Universität Oldenburg für Jahrzehnte eine weltweit führende Rolle in der Tiernavigationsforschung sichern“
Henrik Mouritsen, Professor für Neurosensorik
Darüber hinaus soll NaviGate als Talentzentrum dienen. Der Forschungsbau bietet Platz für bis zu vier Nachwuchsforschungsgruppen. „Unser gemeinsames Ziel wird sein, ein tiefgreifendes, interdisziplinäres Verständnis der Sinne und Mechanismen der Tiernavigation zu gewinnen“, betonte Mouritsen. Dieses neue Wissen könne dabei helfen, den Naturschutz zu verbessern und neue Technologien zu inspirieren. Zudem solle es Gesellschaft, Ökologie und Biodiversität bestmöglich zugutekommen. „Das Gebäude wird der Universität Oldenburg für Jahrzehnte eine weltweit führende Rolle in der Tiernavigationsforschung sichern“, ist sich der Forscher sicher.
Im Rahmen der Förderung von Forschungsbauten an Hochschulen begutachtet der Wissenschaftsrat im Auftrag von Bund und Ländern die Anträge der Länder auf Förderung von Forschungsbauten. Der WR empfiehlt jährlich der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) die Vorhaben, die umgesetzt und bis zur Hälfte durch den Bund mitfinanziert werden sollen. Die Entscheidung über die Aufnahme in die Förderung liegt bei der GWK.
