Melina Kramer absolviert ihr Lehramtsstudium an zwei Universitäten: Biologie in Oldenburg und Geografie in Bremen. Das fordert zwar ihr Organisationstalent, aber sie würde sich „immer wieder dafür entscheiden“.
Schon Jahre vor ihrem Abitur wusste Melina Kramer: „Ich will später Lehramt in Oldenburg studieren.“ Im Freundeskreis ihrer älteren Geschwister hatte die heute 22-Jährige viel Positives aufgeschnappt. „Und das Fach war sowieso schon klar: Biologie.“ So weit, so unkompliziert.
Als die Studienbewerbung näher rückte, dachte Melina lange über ihr Zweitfach nach und entschied sich schließlich für Geografie – um dann festzustellen, dass ausgerechnet dieses Fach an ihrer Wunsch-Uni nicht angeboten wird. Sie bewarb sich an mehreren weiteren Universitäten in Niedersachsen, bekam überall Zusagen, aber entschied sich am Ende doch für Oldenburg: Das Kooperationsstudium machte es möglich.
Seit 2015 besteht für Lehramtsstudierende der Universität die Möglichkeit, die Schulfächer Französisch, Spanisch und Geografie in Bremen zu studieren. Lehramtsstudierende der Universität Bremen können in Oldenburg Niederlandistik, Slavistik oder „Materielle Kultur: Textil“ belegen. Erste Anfänge von Kooperationsfächern zwischen Bremen und Oldenburg gab es bereits 2001.
Vielzahl zusätzlicher denkbarer Fächerkombinationen
Das Kooperationsstudium bietet künftigen Lehrkräften eine Vielzahl zusätzlicher denkbarer Fächerkombinationen und ergänzt somit das Angebot beider Universitäten. Die Kehrseite der Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten ist, dass weder der vorgesehene Studienverlauf insgesamt noch die Uhrzeiten einzelner Lehrveranstaltungen aufeinander abgestimmt sein können – das wäre eine schier unlösbare Aufgabe.
„Somit geht das Kooperationsstudium – neben all seinen Chancen – für Studierende auch mit einem erhöhten Organisationsaufwand einher“, weiß Max-Simon Gündert, seit gut einem Jahr Koordinator fürs Kooperationsstudium am Zentrum für Lehrkräftebildung – Didaktisches Zentrum (diz) der Universität Oldenburg. Er berät zu allgemeinen Fragen und weist bei konkreten Anliegen den Weg zu einschlägigen Informationsquellen oder Ansprechpersonen, ob in den Studiengängen oder am Bremer Pendant des diz, dem „Zentrum für Lehrerinnen-/ Lehrerbildung und Bildungsforschung“.
Auch Melina Kramer stellte bei ihrem Studienstart 2023 schnell fest: Um an zwei Universitäten zu studieren, zwischen deren Standorten mehr als eine Stunde Bus- und Bahnfahrt liegt, braucht es viel Disziplin, gute Netzwerke unter den Mitstudierenden – und gelegentlich auch Mut zur Lücke.
„Im ersten Semester haben mich die unterschiedlichen Studienverlaufspläne von Biologie und Geografie beschäftigt. In beiden Fächern war vorgesehen, zunächst mehr Module aus dem jeweils anderen Fach zu belegen. Hätte ich da jeweils nur das Vorgesehene belegt, hätten mir ein Drittel der üblichen 30 Kreditpunkte pro Semester gefehlt“, erzählt sie. „Als Erstsemester habe ich das zwar nicht sofort geschnallt, aber bekam beim Stundenplan Hilfe von anderen Studierenden aus der Fachschaft.“
Auch für parallel liegende Veranstaltungen fand sie im folgenden Semester eine Lösung: Melina belegte kurzerhand beides, fuhr alternierend mal zu derjenigen in Oldenburg, mal zu derjenigen in Bremen und arbeitete Verpasstes fleißig nach. „Ohne meine beiden Freundesgruppen wäre das vermutlich nicht gegangen“, sagt sie heute. „Aber ich habe alles bestanden und sogar richtig gut abgeschnitten. Wir helfen uns gegenseitig.“
Direkt in der Orientierungswoche an der Universität Oldenburg hatte Melina zwei andere Erstis mit Zweitfach Geografie kennengelernt und mit ihnen gemeinsam den Bremer Uni-Campus erkundet. Inzwischen ist es eine größere Clique, die sich nicht nur in Bremer Lehrveranstaltungen, sondern regelmäßig bereits in der Bahn trifft. „In Oldenburg studieren wir unterschiedliche Fächer – Deutsch, Englisch, Mathe, Sport… und eben Bio“, sagt Melina.
Insgesamt verzeichnet das Akademische Controlling in der Studierendenstatistik aktuell 196 Kooperationsstudierende, davon mehr als 150 mit Heimatuni Oldenburg, die übrigen sind an der Universität Bremen eingeschrieben. Von 2015 bis 2025 haben insgesamt 147 Kooperationsstudierende der Universitäten Oldenburg und Bremen ihren „Master of Education“ mit Zweitfach an der jeweils anderen Uni erworben und ihre akademische Ausbildung somit abgeschlossen. „Das Kooperationsstudium zwingt einen dazu, sich gut zu organisieren, zu kooperieren, ein Netzwerk aufzubauen“, sagt die 22-jährige Melina.
Sie hat sich angewöhnt, die Zeiten im Zug nach Oldenburg oder Bremen jeweils zu nutzen, um für die Uni zu lernen – sei es das Nachbereiten von Seminaren oder das frühzeitige Vorbereiten auf Klausuren. „Freunde von mir suchen vielleicht drei Wochen vor einer Klausur ihr Zeug zusammen und fangen an, sich Lernzettel zu schreiben – das würde bei mir so nicht gehen“, hat Melina festgestellt. Manches Mal hatte sie in der Klausurenphase auch schon zwei Prüfungen an einem Tag an zwei Orten – das sei aber „kein Problem gewesen, da die Termine in Bremen auch mal später am Nachmittag liegen“.
Melina schätzt es, an ihren beiden Studienorten Freundinnen und Freunde zu haben, und die Campus-Kultur an zwei Universitäten zu erleben. „Für mich unterscheiden sich die Unis schon deutlich“, sagt sie. „Auf dem Campus Wechloy verbringen wir viel Zeit draußen. Der Campus in Bremen ist nicht so grün wie der in Wechloy, da sitzen wir eher in der Mensa oder Cafeteria. In Oldenburg gefällt mir der starke Praxisbezug einfach sehr gut, auch in der Didaktik“ – dazu passt ihre Stelle als Studentische Hilfskraft in der „Grünen Schule“ im Botanischen Garten. „In Bremen wiederum ist es in Geografie sehr familiär, bei maximal 60 Leuten in den Vorlesungen kennen dich viele Lehrende auch mit Namen“, erzählt Melina.
Für sie ist das Kooperationsstudium den erhöhten organisatorischen Aufwand allemal wert. „Ich liebe einfach meine Fächer!“, schwärmt sie. „Und ich würde mich immer wieder genauso entscheiden.“
Zum Lehramtsstudium in der Northwest Alliance
Die Bedeutung des Lehramtsstudiums für die Universität Oldenburg liegt auf der Hand: Schon bei der Universitätsgründung 1973 blickte die Oldenburger Lehrkräftebildung auf eine 180-jährige Tradition zurück, zuletzt an der Pädagogischen Hochschule, die in der Universität aufging und von der einige modernisierte Gebäude noch heute auf dem Uni-Campus im Stadtteil Haarentor zu finden sind. Oldenburg ist heute die einzige Universität in Niedersachsen, die – forschungsbasiert und praxisnah – für das Lehramt an sämtlichen Schulformen ausbildet. Gut 41 Prozent der Oldenburger Studierenden streben das Lehramt an, und von den Masterabschlüssen entfallen sogar fast 51 Prozent auf zukünftige Lehrkräfte.
Die Lehramtsausbildung an der Universität Bremen hat einen hohen Stellenwert für die Universität und die Stadtgesellschaft. Bis auf den Fachbereich Jura sind alle Fachbereiche der Universität an den Studienangeboten des Lehramts beteiligt. Mit 13 Prozent bilden Lehramtsstudierende einen erheblichen Anteil der Studierendenschaft. Sie werden auf der Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse der Fachwissenschaften, der Fachdidaktik und der Erziehungswissenschaft ausgebildet und tragen so dazu bei, die schulische Bildung und die Schulentwicklung im Land Bremen weiterzuentwickeln.
Kontakt:
Max-Simon Gündert
Zentrum für Lehrkräftebildung – Didaktisches Zentrum (DiZ)
Tel.: +49 441 798 3031
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