Wie lange arbeiten Sie schon zusammen und wie kam es dazu?
Rea Kodalle: Das fing mit ein paar losen, aber produktiven Kontakten an. Wir hatten uns auf Fortbildungen kennengelernt und gemerkt, dass es Gemeinsamkeiten gibt. Das muss etwa 2016 gewesen sein. Damals hatte sich bei uns in Niedersachsen gerade etwas geändert: Wir waren fortan als Personalrat auch für die Beschäftigten in der Wissenschaft zuständig. In Bremen war das schon länger der Fall und so gab es gleich ein Thema, über das wir uns austauschen konnten: Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz.
Das Sie heute vermutlich immer noch umtreibt, oder?
Sibylle Seyferth: Ja, das Thema befristete Einstellungen im wissenschaftlichen Mittelbau ist nach wie vor aktuell für uns, da bleiben wir dran. Es gibt aber weit mehr, über das wir uns austauschen und uns auf diese Weise gegenseitig stärken. Aktuell beschäftigten wir uns mit dem , in dem die Aktivitäten unseres Universitätsverbundes koordiniert werden sollen.
Kodalle: Das ist ja ziemliches Neuland für uns, dass die Universitäten gemeinsam ein Office betreiben. Unsere Aufgabe ist es, in dem Einstellungs- und Aufbauprozess die Interessen der Bewerbenden, aber auch die Belange der bereits etablierten Kolleg:innen an den Universitäten zu vertreten.
Eike Mayland-Quellhorst: Wir sind bereits ganz gut vorbereitet auf diese neue Herausforderung. In den vergangenen zwei Jahren haben wir bereits einige Forschende in unseren gemeinsamen Graduiertenkollegs eingestellt. Das ist eine gute Blaupause für all das, was in Sachen Northwest Alliance noch passieren wird. Allerdings war es gar nicht so einfach, da zu einem guten Procedere zu kommen, das die Interessen der Bewerbenden und der Beschäftigten genauso gut vertritt wie bei klassischen Einstellungen an nur einer Uni. Oldenburg und Bremen liegen ja in unterschiedlichen Bundesländern, daher gibt es verschiedene gesetzliche Grundlagen für uns als Personalräte und auch Unterschiede in den Ausschreibungs- und Einstellungsprozessen.
Was bedeutet das?
Mayland-Quellhorst: Die Personalvertretungsgesetze von Niedersachsen und Bremen unterscheiden sich teils erheblich. Der Personalrat in Bremen hat mehr Mitbestimmungsrechte in einem Einstellungsverfahren als wir in Niedersachsen, wo wir zum Beispiel Ausschreibungen nur zur Kenntnis bekommen. Da musste erstmal geklärt werden, wie die Beteiligung der Personalräte denn nun laufen soll. Das ist mittlerweile gelungen.
Gibt es neben den Einstellungsverfahren weitere Themen, die Sie gemeinsam beschäftigen?
Seyferth: Das Thema „Demokratie stärken“ ist uns aktuell sehr wichtig – sich gegen die Angriffe von Rechtsaußen zur Wehr zu setzen, bedeutet auch, die demokratischen Werte innerhalb der Universität mit Leben zu füllen. Wir sind als Personalrat ja in verschiedenen Gremien vertreten, beispielsweise im Akademischen Senat. Unsere Stimme, also die Stimme der Beschäftigten, müssen wir an diesen Stellen weiterhin aktiv einbringen.
Kodalle: Als Personalräte setzen wir uns für faire Beschäftigungsverhältnisse ein. Beispielsweise geht es darum, dass neue Mitarbeitende entsprechend ihrer Vorkenntnisse und Erfahrungen fair eingestuft werden. Auch beim Thema Höhergruppierung lassen wir nicht locker. Dazu pflegen wir einen intensiven Praxisaustausch untereinander. Uns geht es dabei vor allem um das Erkennen möglicher Fallstricke. Das funktioniert wirklich gut, weil wir uns gegenseitig vertrauen können. Dass dieses Miteinander etwas sehr Wertvolles ist, haben wir auch bei der Exzellenzbegehung gemerkt.
Damit spielen Sie die gemeinsame Bewerbung der beiden Universitäten in der aktuellen Exzellenzstrategie von Bund und Ländern an, richtig? Im April fand die Vor-Ort-Begehung des Wissenschaftsrats auf dem Bremer Campus statt. Was war Ihre Aufgabe dabei?
Mayland-Quellhorst: Wir haben in einem Themenfeld mitgewirkt, auf das wir als Personalräte naturgemäß ein besonderes Augenmerk haben: DEIB. Das ist die Abkürzung für Diversity, Equity, Inclusion und Belonging, also Vielfalt, Chancengerechtigkeit, Inklusion und Zugehörigkeit. Uns war es sehr wichtig, dass unsere Stimme dort Gehör findet, daher haben wir aktiv eingefordert, dabei zu sein …
Kodalle: … und wurden als es konkret wurdevoll eingebunden. Was natürlich gut war, aber auch sehr viel Zeit und Energie gekostet hat. Sibylle und ich haben das schwerpunktmäßig übernommen. Der ganze Aufwand hat sich letztlich aber gelohnt. Wir waren gut vorbereitet auf die Stresssituation und konnten die uns wichtigen Punkte einbringen.
Was waren denn die Punkte, die Sie den Gutachtenden vermitteln wollten?
Kodalle: Dass Vielfalt kein Selbstzweck ist, sondern unabdingbar für eine Universität, die sich für die Zukunft aufstellt. Als Personalräte sind wir ja an vielen verschiedenen Vorgängen in der ganzen Uni direkt beteiligt und wirken auch in den zentralen Gremien wie dem Akademischen Senat mit. Dabei erleben wir immer wieder: DEIB ist ebenso wie aktive Mitbestimmung keine Charity-Aktion, sondern stärkt unsere Unis nachweislich.
Und wie haben Sie den großen Tag dann erlebt?
Seyferth: Ich hatte das Gefühl, dass die Gutachtenden sehr zugewandt und offen waren und wirklich erfahren wollten, wie die verschiedenen Akteure und Statusgruppen die Northwest Alliance leben.
Kodalle: Und wir haben als Gruppe gut funktioniert. Ich brauchte Sibylle nur einen Zettel mit einem Stichwort rüberschieben und sie wusste sofort, was ich meinte. Das gemeinsame Durchlaufen der Exzellenzbewerbung hat unser Verhältnis auf jeden Fall gestärkt.
Von einigen Beschäftigten gab es aber auch Kritik an den doch recht aufwendigen Exzellenzaktivitäten. Wie sind Sie damit umgegangen, wo Sie doch die Interessen der Beschäftigten vertreten sollen, aber gleichzeitig Teil der kritisierten Aktionen waren?
Seyferth: Zunächst einmal haben wir zugehört und die Sorgen der Beschäftigten ernst genommen. Einige konnten wir ausräumen, indem wir den Kolleg:innen versichert haben, dass wir als Personalräte weiterhin kritisch hinschauen und unsere gesetzlich verbrieften Rechte auf Information und Mitbestimmung einfordern.
Mayland-Quellhorst: Da geht es ja auch um ganz praktische Fragen, beispielsweise: Muss ich künftig häufiger nach Bremen fahren, da wir jetzt so eng zusammenarbeiten? Gilt das als Dienstreise – so richtig mit Antrag? Und: kann ich in der Mensa zum Mitarbeitenden-Tarif essen oder gelte ich als Besucher:in? Da ist noch einiges zu klären. Das werden wir mit vereinten Kräften weiter begleiten.



