Die Northwest Alliance (NWA) konnte sich in der aktuellen Runde der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder leider nicht als Exzellenzverbund durchsetzen. Die Enttäuschung über das Ergebnis sei groß, machten beide Hochschulleitungen deutlich. Zugleich habe die Bewerbung gezeigt, welche Stärke in der Zusammenarbeit liege. Über viele Monate hatten Angehörige beider Universitäten den Antrag gemeinsam erarbeitet. An der Antragstellung und Begehung waren mehr als 200 Personen aus beiden Universitäten und viele Kooperationspartner aktiv beteiligt. Günther hob besonders den Rückenwind der vier Exzellenzcluster und den Teamgeist hervor, der dabei sichtbar geworden sei und weiterhin trage: „Diese Stärken sind genau das, worauf wir aufbauen werden.“
Auch Bruder betonte, dass in kurzer Zeit ein Verbund mit gemeinsamen Zielen und Stärken entstanden sei. Die Bewerbung habe Unterstützung weit über die Hochschulen hinaus erfahren. „Wir sind gekommen, um zu bleiben. Jetzt erst recht“, sagte der Präsident der Universität Oldenburg. Die Allianz sei unabhängig von der Förderung als Exzellenzverbund auf Dauer angelegt.
Die Northwest Alliance ist mit dem übergeordneten strategischen Ziel angetreten, ihre Hochschulen zu transformieren, wobei dem transdisziplinären Ansatz eine grundlegende Bedeutung zukommt: In Forschung und Lehre sollen Fragen gemeinsam mit Experten außerhalb der Wissenschaft entwickelt und bearbeitet werden. Dazu zählen beispielsweise Unternehmen und Startups, die Metropolregion Nordwest, Schulen, die öffentliche Verwaltung und das Gesundheitswesen. Gerade den beiden Reformuniversitäten werde zugetraut, gesellschaftliche Veränderungen gemeinsam mit den Menschen zu gestalten, berichtete Bruder aus den Rückmeldungen zur Bewerbung. Und Jutta Günther betont: „Es ist und bleibt unser Anliegen, erkenntnisorientierter Grundlagenforschung und transdisziplinärer Forschung zur Lösung realer Probleme gleichermaßen ihren Platz einzuräumen.“
Klausurtagung soll nächste Schritte konkretisieren
Wie sich die Northwest Alliance künftig aufstellen und welche Maßnahmen sie vorrangig umsetzen wird, soll auf einer Klausurtagung im November 2026 diskutiert werden. Die Hochschulleitungen und leitende Wissenschaftler werden dort gemeinsam mit Forschenden der frühen Karrierephase, Studierendenvertretungen und dem Wissenschaftsmanagement Bilanz ziehen und darüber beraten, welche Prioritäten gesetzt und gemeinsame Aktivitäten entfaltet werden. Dabei geht es um Forschung, Studium und Lehre sowie Transfer innerhalb der Northwest Alliance als große Wissenschaftsregion, die bis nach Groningen reicht.
Bereits jetzt ist klar, dass laufende gemeinsame Initiativen zur Einwerbung von Drittmittelverbünden weiterentwickelt werden. Dazu gehören Graduiertenkollegs, Forschungsgruppen und Sonderforschungsbereiche der DFG. Die Zusammenarbeit beruht auf einem Kooperationsvertrag als Basis der Northwest Alliance, der verbindliche Strukturen und gemeinsame Handlungsfelder festlegt.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die abgestimmte Planung von Professuren. Die Universitäten wollen ihre Spezialisierungen strategisch aufeinander abstimmen, sodass sie sich fachlich ergänzen und gegenseitig verstärken. Auch wissenschaftliche Geräte und andere Infrastrukturen sollen gemeinsam genutzt werden. Zudem ist bei der Profilbildung und bei Förderanträgen eine enge Zusammenarbeit mit den außeruniversitären Instituten vorgesehen. Das Hanse Wissenschaftskolleg, getragen von Bremen und Niedersachsen, bringt Impulse durch die internationalen Fellows in gemeinsame Projekte zwischen den Universitäten und außeruniversitären Instituten.
Zusammenarbeit mit Universität Groningen vertiefen
In den kommenden Monaten wollen die bislang beteiligten Forschenden und die Hochschulleitungen zu einem Treffen der gemeinsamen Forschungsbereiche an der Uni Groningen zusammenkommen. Wissenschaftler verschiedener Karrierestufen werden dort ihre Projektfortschritte diskutieren und Pläne für die Zukunft machen.
Anknüpfungspunkte bestehen unter anderem mit dem gemeinsamen grenzüberschreitenden Institut für Gesundheitssysteme und Prävention, in der Meeresforschung, der Forschung zu Energiesystemen sowie bei der gemeinsamen Betreuung von Promovierenden. Diese Verbindungen sollen ausgebaut werden.
Mit den Ländern über strategische Mittelverwendung beraten
Die ausbleibende Förderung begrenzt allerdings das Tempo der geplanten Entwicklung. So könnten Vorhaben nicht so schnell umgesetzt werden wie erhofft, erläuterte Günther.
Für die Unterstützung der Bewerbung durch die Wissenschaftspolitik beider Länder sei man dankbar, betonten Günther und Bruder. Nun müsse darüber gesprochen werden, welche strategischen Prioritäten die Länder setzen und wie sie die weitere ambitionierte Entwicklung der Hochschulen unterstützen.
Bewerbung auswerten und künftige Förderung im Blick behalten
Auch die Gründe für das Ergebnis des Wettbewerbs waren Thema der Diskussion. Für eine fundierte Auswertung wollen die Hochschulleitungen die ausführliche Rückmeldung zur Begutachtung abwarten.
Nochmals großer Dank an die vielen Beteiligten
Beide Hochschulleitungen dankten nochmals den vielen an der Bewerbung direkt oder indirekt beteiligten Personen aller Statusgruppen. Es sei über die Zeit ein ganz außergewöhnliches Engagement und ein Zusammenhalt zwischen den Universitäten entstanden, was auch im Augenblick der Absage deutlich spürbar gewesen sei. Die Northwest Alliance macht weiter – Connecting for Tomorrow.
