Wissenstransfer, Gründungsförderung, Dialog – die Aufgaben der Transferstellen der Unis Bremen und Oldenburg sind vielfältig. Ein Interview mit Anne-Kathrin Guder, Leitung UniTransfer in Bremen, und Franziska Gloeden, Teamleitung Transfer in Oldenburg, über gemeinsame Ziele und gute Zusammenarbeit.
Transfer an Hochschulen bedeutete ursprünglich, Wissen oder Technologien aus der Forschung in die Praxis zu bringen. Inzwischen ist das Verständnis wesentlich breiter. Was verstehen Sie unter Transfer?
Gloeden: Wir verstehen an beiden Unis unter Transfer einen wechselseitigen, bereichernden Austausch zwischen Hochschulen und Beteiligten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Dabei schließen wir alle Disziplinen ein und entwickeln unsere Aktivitäten konsequent aus Forschung und Lehre heraus. In Oldenburg treiben wir besonders in den drei Handlungsfeldern „Innovationen gestalten“, „Wissenschaft und Gesellschaft in Dialog bringen“ sowie „Außeruniversitäre Karrierewege fördern“ den wissensbasierten Transfer in der Region voran. Wir beraten beispielsweise Studierende und Forschende auf ihrem Weg zum Start-Up, bieten Workshops für Wissenschaftskommunikation an und organisieren Events, Barcamps oder Vorträge im Schlauen Haus.
Guder: Gemeinsam geht es uns um einen breit angelegten Austausch, in der Forschende und Lehrende mit Beteiligten aus Gesellschaft, Kultur, Bildung, Politik und Wirtschaft kooperieren und in einen Dialog treten. Die Universität Bremen hat, im Unterschied zur Universität Oldenburg, ein eigenes Transfer-Referat: UniTransfer. Wir agieren als Think Tank, der mit flexibler Expertise und offenen, partizipativen Formaten wissenschaftliche Reflexion und gesellschaftliche Debatten zusammenbringt. So entwickeln wir innovative Strategien für den Wissenstransfer. Gleichzeitig setzen wir auf klare und wirkungsvolle Kommunikation.
Um Forschungsergebnisse zu technischen und sozialen Innovationen weiterzuentwickeln, sind unter anderem Start-ups wichtig. Was ist das Besondere an der Zusammenarbeit mit Blick auf Gründungsförderungen?
Guder: Wir arbeiten abgestimmt zusammen, etwa bei der Suche nach passgenauen Teammitgliedern für unsere Startups. Zudem bieten unsere zertifizierten Young Entrepreneurs in Science-Coaches regelmäßig standortübergreifende Workshops an. Interessierte aus Bremen verweisen wir gerne auf das EXIST Women-Programm an der Uni Oldenburg, das explizit angehende Startups von Frauen oder Nicht-binären fördert. Wir vertrauen einander und wissen, dass unsere Gründer*innen an der jeweils anderen Hochschule in guten Händen sind.
Gloeden: Gründungsförderung ist ein wichtiges gemeinsames Anliegen. Beide Hochschulen sind bundesweit erfolgreich: Die Uni Bremen und die Uni Oldenburg belegen in der Platzierung des Gründungsradars derzeit die Plätze 14 und 15 unter den großen Hochschulen. Ein zentrales Projekt ist die hoi startup factory, die beide Universitäten im Wettbewerb „EXIST-Startup Factories“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie federführend vorangetrieben haben.
Die hoi startup factory war zwar in der engeren Auswahl des Wettbewerbs, wird aber nicht vom Bund gefördert. Worum geht es und wie wird das Projekt finanziert?
Guder: Die hoi startup factory ist ein zentraler Baustein der Gründungsförderung: Sie ermöglicht eine enge Zusammenarbeit mit mittelständischen Unternehmen der Region bereits in frühen Gründungsphasen. Das Ziel ist, dass die Startups zur Innovationsfähigkeit der Region beitragen und wir früh mögliche Pilotkundschaft gewinnen können. Gleichzeitig erhoffen wir uns bessere Finanzierungsmöglichkeiten. Mangelndes Kapital führt bislang oft dazu, dass Startups die Region verlassen. Finanziert wird die Startup Factory für den Nordwesten maßgeblich von Unternehmen der Region und unter anderem von der Handelskammer Bremen und der Bremer Aufbaubank.
Wie möchten Sie darüber hinaus die Gründungsförderung in der Northwest Alliance weiterentwickeln?
Guder: Wir denken nicht mehr nur in Standorten, sondern in Regionen. Im Bereich Social Entrepreneurship wollen wir gemeinsam stärker werden: sensibilisieren, mehr Startups fördern und Sichtbarkeit gewinnen.
Gloeden: Um zur Wirksamkeit des Verbunds beizutragen, bündeln wir unsere Stärken: Die Uni Bremen mit dem bundeslandweiten BRIDGE-Verbund bietet einen überregionalen Blick, die Uni Oldenburg ermöglicht die breite Einbindung der ländlichen Region und grenzübergreifend die enge Kooperation mit der strategischen Partneruniversität Groningen.
Welche Stärken bringen die Universitäten jeweils mit, um gemeinsam als Northwest Alliance den Dialog mit der Gesellschaft zu stärken?
Guder: Public Engagement und Partizipation spielen eine große Rolle. In Bremen beraten wir von zentraler Stelle Forschende bei der Konzeption, Umsetzung und Reflexion partizipativer Forschung. Darüber hinaus gibt es dezentrale Aktivitäten in Fachbereichen und Forschungsinstituten, insbesondere Dialogformate und Kooperationen mit der Zivilgesellschaft. Die Kassenhalle im Uni-Forum am Domshof ist beispielsweise ein multifunktionaler Begegnungsort, der den Austausch zwischen Universität und Stadtgesellschaft fördert und die Universität sichtbar macht. Solche dritten Orte für Dialog, interaktive Wissensvermittlung und kreative Auseinandersetzung mit Wissenschaft wollen wir im Verbund auf die gesamte Region verteilen.
Gloeden: Auch wir beraten Forschende, sensibilisieren für Wissenschaftskommunikation und konzipieren Outreach-Formate. Das Schlaue Haus Oldenburg ist ein wesentlicher Ort für den Dialog. Gemeinsam mit der Jade Hochschule machen wir so eine Vielzahl wissenschaftlicher Themen zugänglich. Der Wissenstransfer ist zudem ein zentraler Baustein der strategischen Kooperation zwischen Stadt und Universität Oldenburg. Wir beziehen Interessierte direkt in die Forschung ein, um gemeinsam für die Region relevante Ergebnisse zu erhalten. Beim Healthcare Hackathon Oldenburg beispielsweise kommen kreative Köpfe aus Krankenhäusern, der ambulanten Versorgung, der Pflege und regionalen Hochschulen zusammen. Gemeinsam arbeiten sie an Ideen und innovativen Lösungskonzepten für aktuelle Herausforderungen im Gesundheitsbereich. Seit 2022 gibt es zudem eine Projektstelle für den Transfer in die Region Papenburg, die sich mit Formaten wie „Heimspiel Wissenschaft“ der Wissenschaftskommunikation im ländlichen Raum widmet.
Guder: Die Zusammenarbeit im Rahmen der Northwest Alliance bietet uns dabei die Möglichkeit, bislang auf Standort bezogene Aktivitäten auf die gesamte Region auszuweiten und mehr Menschen in die Zusammenarbeit mit Wissenschaft einzubeziehen.
Ein Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie die Northwest Alliance in Bezug auf Transfer in einigen Jahren?
Guder: Das zentrale Thema Transdisziplinarität wird unsere gemeinsame Arbeit im Transfer in den kommenden Jahren prägen. Das heißt, wir verbinden akademisches Fachwissen mit Praxiswissen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft, um komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen wie beispielsweise dem Klimawandel besser begegnen zu können. Formate wie Citizen Science und ko-kreative Projekte eignen sich, um dieses Prinzip in alle Bereiche des Verbunds zu integrieren. In unseren Transferstellen haben wir die Expertise, um solche Kooperations- und Austauschprozesse zu gestalten, zu moderieren und zu begleiten.
Gloeden: Auf diese Weise beziehen wir eine breite Vielfalt an Teilnehmenden wie Bürger*innen sowie Beteiligte aus Verwaltung oder Umweltschutzverbänden, direkt in die Forschungsaktivitäten der Northwest Alliance ein. So wollen wir relevante und anwendbare Antworten auf die Fragen unserer Zeit finden, etwa im Hinblick auf die Anpassung an den Klimawandel oder die Stadtentwicklung. Wir wollen gemeinsam weiterdenken und wachsen, um das Vertrauen in Wissenschaft zu stärken und als Verbund aktiver Teil gesellschaftlicher Transformationsprozesse zu sein.
