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KONKURRIERENDE ZUKÜNFTE

Bildung, Diskursformationen
und Medien

Zukünfte sind soziomaterielle Konstruktionen, die unsere heutigen Praktiken leiten und von individuellen Projektionen, über Visionen von Gemeinschaften und Unternehmen bis hin zu nationalen und Transnationalen Imaginationen reichen. Als „kulturelle Gegebenheiten“ spiegelt ihr konkurrierender Charakter die Machtverhältnisse innerhalb und zwischen Gesellschaften wider. An den Universitäten Oldenburg und Bremen wird die Forschung zum Entstehen und zur Performativität konkurrierender Zukünften interdisziplinär entwickelt.

Disziplinen

Erziehungswissenschaften
Geschichte
Kulturwissenschaften
Linguistik
Literaturwissenschaft
Medien- und Kommunikationswissenschaft
Philosophie
Religionswissenschaft
Sozialanthropologie
Soziologie

Die Analyse erfolgt dabei über drei miteinander verknüpfte Felder: Bildung, Diskursformationen und Medien. Bildung ist ein normativ umkämpftes Feld, in dem Zukunftsentwürfe verhandelt und institutionalisiert werden; unser intersektionaler und inklusiver Ansatz hinterfragt bestehende Ungleichheiten und hegemoniale Wissensordnungen in der Produktion bildungsbezogener Zukünfte. Diskursformationen werden untersucht als Arenen, in denen Zukunftsentwürfe nicht selten kontrovers und immer öfter in Rhetoriken der Polarisierung verhandelt werden. Medien werden als Mittel der Gestaltung konkurrierender Zukünfte wie auch als deren Artikulation analysiert, indem Medientechnologien wie aktuell kommunikative KI als Ingebriff von Zukunft selbst gelten.

Durch die systematische Verknüpfung dieser Felder untereinander werden die Mechanismen sichtbar, die der Konstruktion möglicher Zukünfte zugrunde liegen, und es zeigt sich, wie diese das Handeln im Hier und Jetzt lenken. So führen beispielsweise Vorhersagen einer Bildungskrise zur Überarbeitung von Lehrplänen; die Ignoranz gegenüber bestimmten Zukunftsvorstellungen verhindert, dass diese überhaupt Gegenstand öffentlicher Debatten werden; oder techno-optimistische Zukunftsvisionen lenken die Verteilung von Ressourcen in bestimmte Richtungen. Indem wir Fachwissen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften in Bremen und Oldenburg in diesem Bereich bündeln, untersuchen wir nicht nur, wie Zukunftsvisionen entstehen, wie sie um Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit konkurrieren und wie manche in den Vordergrund gerückt werden, während andere unsichtbar bleiben. Dabei erforschen wir auch, wie diese Zukunftsvisionen Prozesse des gesellschaftlichen Wandels prägen.

Durch den neu gegründeten „Competing Futures Hub“ verbinden wir die Forschung in den Bereichen Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Widerspruchsforschung an der Universität Bremen mit der genealogisch orientierten kultur- und sozialwissenschaftlichen Forschung an der Universität Oldenburg und verknüpfen diese mit der migrationsbezogenen Bildungsforschung, für die beide Universitäten bekannt sind. Für die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung zu konkurrierenden Zukunftsvisionen schafft dieser Hub ideale Voraussetzungen für groß angelegte Kooperationsprojekte.

Sprecher des Forschungsschwerpunkts

Martin Butler
© Matthias Hornung

In sieben Jahren ist der Competing Futures Hub der Nordwest Alliance ein national und international sichtbar Ort geistes- und sozialwissenschaftlicher Forschung zu Praktiken des Futuring.

Prof. Dr. Martin Butler, Universität Oldenburg

Wir müssen erforschen, wie konkurrierende Zukunftsvisionen die Entstehung neuer Medien und Technologien formen – denn wer die Zukunft definiert, gestaltet bereits die Gegenwart.

Prof. Dr. Andreas Hepp, Universität Bremen

Andreas Hepp
© Beate C. Koehler